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Strövers Naturpaedblog» Blogarchiv » Seltener Pinselkäfer (Trichius fasciatus)

Seltener Pinselkäfer (Trichius fasciatus)

Da hat sich doch der Freitag, der 13. für mich als Glückstag herausgestellt!

Noch im letzten Jahr (2006) sah ich ihn ganz kurz. Zu wenig Zeit, um ihn schnell zu fotografieren! Ein komisches Tier, wie ich damals fand. Noch nie hatte ich solch einen Käfer zuvor gesehen. Und als mir dieses seltsame Wesen mit einem mal wegflog, obwohl ich überhaupt keine Flügelbewegung gesehen hatte, war der Ärger groß. Zum einen konnte ich kein Foto schießen und zum andern wusste ich nicht, ob ich diesen Käfer wiedersehen sollte. Damals war ich bereits mehr als anderthalb Jahre mit der Kamera in der Natur unterwegs, ohne diesem ominösen Käfer jemals begegnet zu sein. Als ich dann auch noch von diesem daumennagel-großen Tier berichtete, der ein wenig wie ein Mischling zwischen Mai- und Marienkäfer aussah und der scheinbar flügellos fliegen konnte, erntete ich mildes Lächeln, als ob ich ein Fabelwesen gesehen hätte.

Aber gestern sollte, wie gesagt, mein Glückstag sein. Noch witzigerweise in Gedanken versunken, dass jeder Tag vielleicht ein neu-entdecktes Insekt mit sich bringen könnte, schaute ich ein letztes mal auf eine große Blütendolde am Straßenrand: Mit einem mal wusste ich, dass es exakt der gleiche Käfer war, wie ich ihn oben beschrieben habe:

Daumennagel-dick, große Flecken auf dem Rücken - und schon drückte ich auf den Auslöser meiner kleinen Digitalkamera. Heiko Bellmann schreibt in seinem Kosmos-Führer, dass es sich um den Pinselkäfer (Trichius fasciatus) handelt, der im Juni bis Juli zu beobachten sei. Mit seinen nur neun bis 12 mm ist dieser Käfer ein Tier mit kurzen, gelben Flügeln (die ich zuvor nicht gleich als “Flug-Flügel” wahrgenommen hatte) mit drei dunklen und in der Mitte unterbrochenen Querstreifen. Jedoch seien die Rückenfarben bei den einzelnen Tieren sehr unterschiedlich ausgeprägt.

Die kleine Sensation ist aber die, dass der Pinselkäfer eigentlich nur auf Waldlichtungen und auch auf Dolden im Bergland vorkommen soll, jedoch nicht im Flachland. Somit ist dieser Pinselkäfer ein Dortmunder der ganz besonderen Art und ich bin froh, dass die Kamera diesmal mitgespielt hat und mir der Käfer nicht unverhofft weggeflogen ist, hier sind einige Fotos…

Hier (siehe Foto oben) zanken sich Wespe und Pinselkäfer kurz um den Nektar, aber ohne sich wirklich zu verletzen. Doch mit der Goldfliege (Schmeißfliege, siehe unten) hatte der Pinselkäfer keinen Ärger:

Es empfiehlt sich, ruhig mal einen Blick über den Bücherrand zu werfen und selbst die Augen aufzuhalten. Dann kann man durchaus manch kleine Überraschungen erleben. :-)

Somit ist (Natur-) Bildung keine reine Bücher-Bildung, sondern beinhaltet die Erfahrung, dass die Praxis sich auch von der Theorie unterscheiden kann. Daraus schließe ich, dass es für die Umweltbildung des Kindes wichtig ist, mit dem Kind auch mal rauszugehen, es in der Natur spielen zu lassen und ihm Naturphänomene zu zeigen bzw. Raum für eigene Entdeckungen zu geben.

Pädagogisches Ziel ist also die Ermöglichung der primären (Umwelt-) Wahrnehmung: Kinder sollten Gelegenheiten haben, ihr Weltwissen durch konkrete Erfahrungen aufzubauen. Erleben und Lernen durch die Sinne ist erst einmal wichtiger, als die sekundäre Wahrnehmung, die z. B. durch die Informationsweitergabe mittels Medien (Computer, Literatur etc.) ermöglicht wird. Natürlich ist es immer ein bisschen anstrengender, das Kind rauszuschicken oder gar zusammen mit dem Kind in den Park, in den Zoo oder auf eine Wildwiese oder in den Wald zu gehen, um z. B. Blumen zu zeigen oder Tier-”Fußspuren” zu deuten.
Da kann eine CD mit Tierstimmen oder eine DVD über eine Tierdokumentation manchmal sehr verlockend für die Eltern oder für das erzieherische Personal einer Bildungseinrichtung sein. Und so wird aus manchem Schul-Wandertag ein Videovormittag im Biologie-Raum.

Doch wer sich die Mühe macht, und dem Nachwuchs die Chance gibt, ausreichend Primär-Erfahrungen zu sammeln, schafft sicher gute Voraussetzungen für die weitere Entwicklung seines Kindes.
Gruß,

Silvio Ströver

Benutzte Literatur:

Baacke, Dieter: Die 0 - 5 Jährigen. Einführung in die Probleme der Frühen Kindheit. (Beltz Taschenbuch Bd. 7) Weinheim, Basel: Beltz Verlag, 2. Auflage.

Bellmann, Heiko: Der neue Kosmos-Insektenführer. Über 1400 Fotos. Extra: Die wichtigsten Spinnentiere. (Kosmos Naturführer)
Stuttgart: Kosmos Verlag, 1999, S. 178 - 179.

Fock, Kay-Uwe: Sich in der Welt zurechtfinden - Wie entwickelt sich die kindliche Wahrnehmung? http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Kindliche_Entwicklung/s_775.html

, 2007.

Leger, Elke: Lernen mit allen Sinnen. http://www.familienhandbuch.de/cmain/

f_Aktuelles/a_Erziehungsfragen/s_1079.html, 2007.

Nachtrag vom 04.01.2009:

Das frühere “Insektumweltpaednetblog” wird - wie vor einiger Zeit bereits angekündigt -nach einem längeren Testlauf nicht mehr weitergeführt. Die Blogbeiträge gehen daher ins neugegründete Naturpaedblog über. Folglich müssen Fotos neu hochgeladen und Links gegebenfalls repariert bzw. neu angepasst werden. -

Inzwischen habe ich bereits viele Blogeinträge im Paedblog-Archiv und im Jobcoachblog-Archiv überarbeitet, da auch hier durch eine Neustrukturierung der Bloginhalte oftmals angegebene Links nicht mehr aktuell waren. Zudem ermöglicht die neuere Wordpress-Weblogsoftware die Eingabe von Tags, mit deren Hilfe Blogbeiträge im Internet schneller wiedergefunden werden können. Des Weiteren ist der ein oder andere Blogbeitrag aus früheren - nicht mehr existierenden - Weblogs bzw. von älteren Webseiten entnommen worden dank der nicht-wirklich-funktionierenden Wordpress-Import-Funktion. Schließlich habe ich einige neue Blogkategorien gebildet, um Blogbeiträge thematisch besser zuzuordnen, damit diese schnell vom Blogleser in der Kategorie-Rubrik bzw. im Blogarchiv gefunden werden.

Ansonsten viel Spaß beim Stöbern im Naturpaedblog-Archiv!

Gruß,

Silvio Ströver, Dipl.-Pädagoge

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